Freie Tage bewusst erleben
Gemeinschaft & Schulkultur
Lebensschule Zentralschweiz
In den kommenden Wochen dürfen wir einige freie Tage geniessen. Dabei ist es schön, nicht nur die freie Zeit wahrzunehmen, sondern auch zu wissen, woher diese Tage kommen und welche Bedeutung sie tragen.
In der Waldorfpädagogik und in der anthroposophischen Tradition haben Auffahrt, Pfingsten und Fronleichnam einen besonderen Platz im Jahreslauf. Sie markieren den Übergang vom Frühling zum Sommer und verbinden sich mit christlichen Impulsen ebenso wie mit den Veränderungen in der Natur: mit Licht, Wachstum, innerer Erneuerung und Gemeinschaft.
Gerade in unserer heutigen Zeit, in der Familien aus einer Fülle von Angeboten wählen können, darf auch das bewusste Weniger seinen Platz haben. Freie Tage müssen nicht gefüllt sein mit möglichst vielen Erlebnissen. Manchmal liegt ihr grösster Wert darin, zur Ruhe zu kommen, gemeinsam Zeit zu haben, draussen zu sein, zu spielen, zu träumen oder einfach einmal nichts vorhaben zu müssen.
So können diese Tage zu echten Atempausen werden – für Kinder und Erwachsene. Sie schenken Raum, damit die Kinder nicht erst nach den freien Tagen wieder Erholung brauchen, sondern gestärkt, gesammelt und innerlich genährt in den Schulalltag zurückkehren dürfen.
Himmelfahrt (Auffahrt) – ein Fest des Übergangs und des Aufwärtsstrebens
Zwischen Ostern und Pfingsten feiern wir Himmelfahrt (Auffahrt) – ein Fest des Übergangs und des Aufwärtsstrebens.
Zur Zeit der Himmelfahrt spüren wir die volle Kraft des Seins. Der Frühling hat das Grau des Winters endgültig verdrängt, alles grünt und blüht, und ein neuer Lebenszyklus beginnt.
Auch unser Inneres darf sich nun weit öffnen und dem Licht entgegenstreben. Besonders Kinder erleben diese Qualität des Festes ganz unmittelbar durch Bilder des Wandels. Ein wunderbares Symbol dieser Zeit ist der Schmetterling: Nach seiner grossen Verwandlung flattert er nun bezaubernd schön und federleicht durch die wärmer werdende Luft und macht die unsichtbare Leichtigkeit des Himmels für uns alle sichtbar.
Um dieses Fest für Kinder greifbar zu machen, ist das Gestalten von zarten Schmetterlingen eine wunderbare gemeinsame Tätigkeit: Aus gesammelten Stöcken, die den Rumpf und die Fühler bilden, und bunten Flügeln aus Seiden- oder Transparentpapier entstehen sanfte Schmetterlinge. So wird die Leichtigkeit des Himmels im Tun erlebbar und das Wunder der Verwandlung kann direkt in das eigene Zuhause einziehen.
Pfingsten – ein Fest der leisen Verwandlung
Pfingsten – der fünfzigste Tag nach Ostern – beschliesst die lichtvolle Zeit der Auferstehung und öffnet das Tor zum Sommer.
Es ist ein stilles, aber tief wirkendes Fest: Der Heilige Geist wird in der Gestalt einer weißen Taube zur Erde gesandt – ein Sinnbild für das Licht, das sich in unsere Herzen senkt.
Seit eh und je gilt die Taube als Zeichen für Reinheit, Sanftmut und die Seele. In ihr lebt etwas Verbindendes – zwischen Oben und Unten, zwischen Mensch und Mensch, von Herz zu Herz.
Gedanken, die uns durch Pfingsten begleiten können:
Wo darf ich mich neu verbinden – mit mir selbst, mit anderen, mit dem Lebendigen?
Wem kann ich mit einem offenen, sanften Herzen begegnen?
Was darf ich freigeben, was darf sich wandeln?
Pfingsten lädt uns ein, still zu werden, zu lauschen und neu zu vertrauen – auf die Kraft, die uns verbindet, führt und verwandelt.
Möge das Pfingstfest voller Wärme, leuchtender Freude und stiller Hoffnung in euch wirken.
Johanni – ein Fest des Lichtes, des Feuers und der Sommerfreude
Nach Pfingsten, wenn der Impuls von Gemeinschaft, Begeisterung und innerer Lebendigkeit nachklingen darf, wendet sich der Jahreslauf weiter dem Sommer entgegen. Die Tage werden lang, das Licht nimmt zu, und in der Natur zeigt sich eine wachsende Fülle.
In diese besondere Zeit hinein führt uns Johanni – ein Fest des Lichtes, des Feuers und der Sommerfreude.
Um die Sommersonnenwende am 21. Juni steht die Sonne im Jahreslauf am höchsten. Wir erleben den längsten, hellsten Tag des Jahres und die lauesten Sommernächte. Die Natur hat zu ihrer üppigsten Pracht gefunden: Die Blumen blühen mit voller Kraft; Rittersporn, Gladiolen und die ersten Sonnenblumen zeigen ihre hoch wachsende, aufrechte, in den Himmel gerichtete Gestalt.
Um Sommeranfang herum hat man sowohl in vorchristlicher als auch in christlicher Zeit Feste gefeiert. Mit dem Fest um die Sommersonnenwende der vorchristlichen Zeit ehrten die Menschen die lebensspendende Sonne und das Licht. Die Menschen entzündeten Feuer, tanzten um die Flammen und spürten ihre Verbindung mit der Natur (Stonehenge wurde für solche Feste gebaut!). Auch Shakespeares „Sommernachtstraum“ zeichnet ein lebendiges Bild des vorchristlichen Sommerfestes: Geisterwesen, Menschen, Tier und Natur vereinigen sich in einem ekstatischen Taumel, flirren und wirren ineinander und umeinander und treiben Schabernack. Ein Fest der Sinne und der Ekstase, ein Fest der Verbindung zwischen geistiger Welt und Ratio.
Die christlichen Bräuche um den längsten Tag des Jahres rückten die Figur Johannes des Täufers in den Mittelpunkt der uralten Festtradition: Johannes, der Erneuerer, der Impulsgeber, der Ankündiger des Christus, eignete sich als neue Symbolfigur für das vormals heidnische Fest wunderbar. Johannes ruft die Menschen dazu auf, das Alte, Überkommene abzustreifen und sich dem Neuen, Hellen, Guten zuzuwenden.
Die christlichen Feste übernahmen die heidnischen Bräuche: Bis heute hat sich vielerorts der Brauch des Sonnwendfeuers, Johannifeuers oder auch Bergfeuers gehalten.
Manchmal liegt ihr grösster Wert darin, zur Ruhe zu kommen, gemeinsam Zeit zu haben, draussen zu sein, zu spielen, zu träumen oder einfach einmal nichts vorhaben zu müssen.








