Die kindliche Entwicklung bis zur Pubertät

Das menschliche Leben verläuft in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Im Verständnis Rudolf Steiners werden diese einzelnen Lebensabschnitte in Zeiträumen von 7 Jahren unterteilt. Sie werden Jahrsiebte genannt.
Die ersten drei Jahrsiebte dienen der Entfaltung eines Kindes bis zum Alter von 21 Jahren. Erst mit Übergang in das 4. Jahrsiebt hat ein junger Mensch seinen Werdegang zum Erwachsenen abgeschlossen.
In jedem Jahrsiebt durchläuft ein Kind spezifische Entwicklungsschritte.
Im ersten Jahrsiebt entwickelt sich in erster Linie der physische Leib eines Kindes. Neben dem Wachstum und der Entwicklung der einzelnen Organe, entfaltet sich in den ersten Lebensjahren auch die Sinnesorganisation. Die Kopfsinne (Sehsinn, Hörsinn, Geruchsinn, Geschmacksinn, usw.) und leibgebundene Sinne wie der Tastsinn oder Gleichgewichtssinn entwickeln sich allmählich und unterstützen das Kind während der ersten drei Jahre im Erlangen der aufrechten Haltung sowie beim Gehen- und Sprechenlernen.
Nicht ausgereifte Reflexe, d.h. nicht vollständig entwickelte Sinne können im späteren Verlauf während der Schulzeit zu Schwierigkeiten und Störungen beim Erwerb der Lese-, Rechtschreib- und Rechenkompetenz führen.
In den ersten sieben Jahren nimmt auf unbewusste Weise die Welt durch seine Sinne war. Es unterscheidet sich darin massgeblich vom Erwachsenen, der sie Welt wachbewusst wahrnimmt und sich dabei auch seines Verstandes bedient.
Indem sich das Kind auf diese empathische Weise der Welt zuwendet, lernt es in erster Linie über die Nachahmung. Die nachahmende Tätigkeit und das kindliche kreative Spiel sind die beiden starken sympathischen Kräfte, denen sich das Kleinkind im ersten Jahrsiebt bedient.
Der Zahnwechsel zeigt den Übergang in das nächste, zweite Jahrsiebt an. Das Ausfallen der ersten Zähne lässt erkennen, dass nun Kräfte, die bisher mit dem Aufbau des kindlichen Leibes beschäftigt waren, nun für erste schulische und kognitive Inhalte verwendet werden können.
Da das eigentliche intellektuelle Verständnis der Welt eine Kompetenz ist, die erst im Verlauf der Pubertät, also sich während des dritten Jahrsiebts entwickelt, kommt man dem kindlichen Bedürfnis im Zeitraum zwischen dem 7 und 12. Lebensjahr am besten entgegen, wenn man Erwachsene dem Kind in starken gemütshaften und seelisch gehaltvollen Bildern ein Verständnis der Welt vermittelt.
Für das schulische Lernen bedeutet dies, dass im zweiten Jahrsiebt dass das Kind sich einerseits die Welt durch bildhafte Vermittlung und andererseits im aktive, willenshafter Tätigkeit und direkter Sinneserfahrung in Beziehung setzt.
Erst ab dem 12. Lebensjahr und im weiteren Verlauf mit den Entwicklungsschritten der Pubertät beginnt der junge Mensch die Welt zunehmen mit dem Verstand zu erfassen.
